Januar 2018

WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH

Mai 2007
Salonmusik am fünften Langnauer Kammermusikabend
LANGNAU: Der Charme der «Belle Epoque»

03.05.2007 Das Ensemble «Salon Passion»
bereitete dem Publikum zwei Stunden unbeschwerte Unterhaltung. Süss und betörend war die Musik wie duftender Flieder.

Salonmusik verbreitet eine besondere Atmosphäre. Man fühlt sich in eine andere Welt versetzt, in die sorglose Welt der Reichen und Schönen, wie sie die Impressionisten dargestellt haben. Die Musik verkörpert die «Belle Epoque», die Zeitspanne um die Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg. Im mittleren und gehobenen Bürgertum herrschte Optimismus. Man genoss das Leben und zelebrierte den Lebensstil der Aristokratie.
Das Ensemble «Salon Passion», das sich aus Mitgliedern des Tonhalle_orchesters Zürich zusammensetzt, präsentierte eine breite Palette an Salonmusik. Sie spielten nicht nur Stücke aus der «Belle Epoque», sondern auch Hits und Nummern aus dem Unterhaltungsbereich des 20. Jahrhunderts. Auf die zwei berühmtesten Salonstücke, die «Barcarolle» und die «Serenata», verzichteten sie. Dafür erklangen «Salut d’amour», _«Veronika, der Lenz ist da» und «A little bit of luck». Daneben spielten die Musiker viele unbekannte Stücke, die aber ebenso liebenswürdig und eingängig im Ohr klangen wie die bekannten.
Eine der Musikerinnen kommentierte die Musik, indem sie zum Programm eine Liebesgeschichte erzählte. Dadurch erhielt manche Leckerei zuviel Zuckerguss. Manchmal aber gelangen witzige Kombinationen, etwa da, wo auf die «Liebesnacht» prompt die «Illusion» folgte, oder da, wo das Paar auf Deck die Tanzbühne belebte («Sie hat Paprika in Blut») und seine Tangokünste zum Besten gab («Comparsita»).
Bereits die einheitliche Erscheinung der Musiker mit ihren Instrumenten gab ein schönes Bild ab. Mit Violine, Bratsche, Cello, Kontrabass und Flügel traten die Musiker in der klassischen «Salonbesetzung» auf. Der Geiger Marc Luisoni führte die Gruppe an. Er spielte elegant und mit schlankem Ton, was den virtuosen wie den intimen Stücken gut stand. Johannes Gürth avancierte mit seinem schönen Solo in «Solitude» zum ersten Stehbratschisten. Die Cellistin Stefania Verità brachte mit ihren Kantilenen alle Herzen zum Schmelzen. Peter Kosak am Kontrabass steuerte zusammen mit der wirbeligen Pianistin Scarlet Cavassini kräftige Akzente bei, die immer wieder für Erheiterung sorgten.
Noch heute vermag die Musik aus jener Zeit die Menschen zu unterhalten und in gute Laune zu versetzen. Manch eine Konzertbesucherin, manch ein Konzertbesucher eilte nach dem Konzert nach Hause, um bei einem Gläschen Wein den Abend stilvoll ausklingen zu lassen.